Kapuzinerkresse: Die scharfe Schöne mit dem antibiotischen Extra

Kapuzinerkresse Blüte

Kapuzinerkresse – Tropaeolum majus

Wenn man die rundlichen, mittig an einem langen Stiel sitzenden bis zu 15 cm großen Blätter der Kapuzinerkresse betrachtet, liegt der Vergleich mit einem (Schutz-)Schild nahe. So kam die von Juni bis Oktober ausdauernd blühende Pflanze denn auch zu ihrem botanischen Namen: tropaeolum ist die Verkleinerungsform von tropaeum, was im alten Rom einen mit den Waffen eines besiegten Feindes behängten Baum bezeichnete. Heute hören wir diesen kriegerischen Anklang noch aus dem Wort „Trophäe“ heraus. Das Kapuziner im Namen wiederum verdankt das attraktive Garten- und Balkongewächs der Form seiner trichterförmigen sonnengelb, orange oder tiefrot leuchtenden Blütenkelche: Mit ihrem gebogenen Sporn am Blütengrund sehen sie tatsächlich ein bisschen wie umgedrehte Mönchskapuzen aus. Aus jeder Blüte entstehen nach dem Abwelken zwei bis drei bohnenartige, tief gerillte fleischige Samen, die bis zu vier Jahre lang keimfähig bleiben … wenn sie nicht vorher weggenascht wurden, aber dazu gleich mehr.

Ursprünglich stammt Kapuzinerkresse aus der Andenregion Südamerikas, Von dort aus gelangte sie im 17. Jahrhundert nach Europa und mauserte sich schnell zu einer beliebten Gartenpflanze. Dazu trug sicher auch die Tatsache bei, dass man sie kinderleicht aus Samen selbst heranziehen kann – was höchst empfehlenswert ist! Denn sie sieht nicht nur wunderschön aus, sondern bereichert auch auf maximal gesunde Weise den menschlichen Speiseplan. Blätter, Blüten und frische Samen schmecken verblüffend scharf, was auf die reichlich enthaltenen Senfölglykoside (siehe Senf) zurückzuführen ist. Dass diese Inhaltsstoffe stark antientzündlich, antibakteriell, antiviral, antimykotisch und schleimlösend wirken, ist wissenschaftlich gut belegt. Senfölglykoside durchdringen die Zellwände der Mikroorganismen, hemmen ihr Wachstum und sind deshalb eine wertvolle Alternative oder Ergänzung zu synthetischen Antibiotika!

Grüne Kapsel mit BlattBesonders in Kombination mit Meerrettich lehrt das farbenfrohe Multitalent vielen Krankheitserregern das Fürchten – v.a. dann, wenn es um Atemwegsinfektionen wie Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder Halsschmerzen sowie Blaseninfekte geht. Hierfür steht ein beliebtes Fertigpräparat in Tablettenform zur Verfügung, doch auch eine selbst angesetzte alkoholische Tinktur hilft zuverlässig. Hierzu überdeckt man in einem Schraubglas frische kleingeschnittene Kapuzinerkresseblüten und -blätter mit mindestens 40-prozentigem Alkohol (z.B. Korn oder Wodka), schüttelt täglich und seiht die Tinktur nach vier Wochen durch ein Sieb in eine Braunglasflasche ab. Dasselbe tut man separat mit geschälter und frisch geraspelter Meerrettichwurzel. Sind beide Tinkturen fertig, mischt man sie im Verhältnis 2:1 (Kapuzinerkresse:Merrettich) und erhält damit ein potentes Hausmittel gegen die oben genannten Beschwerden. Man nimmt dreimal täglich einen Esslöffel davon in Wasser ein oder gurgelt bei Halsschmerzen mit einem ordentlichen Spritzer davon in wenig Wasser.

Doch nicht nur als Heilmittel ist die Kapuzinerkresse von Interesse, sondern auch in der Küche findet sie vielseitige Verwendung. Praktischweise sind alle oberirdischen Teile der Pflanze essbar und erinnern mit ihrem würzig-scharfen Geschmack an Kresse oder Radieschen. Blätter und Blüten eignen sich, am besten klein gehackt, hervorragend als dekorative und geschmackvolle Ergänzung zu Salaten, Sandwiches, Kräuterbutter und Kräuterquark. Experimentieren Sie hier auch mit gesunden Kombinationen aus weiteren Wildkräutern wie Löwenzahn, Giersch, Gänseblümchen und Schafgarbe! Die frischen Samen können entweder direkt verzehrt oder wie Kapern eingelegt werden.

Halten Sie aber unbedingt ausreichend Samen fürs nächste Jahr zurück, denn mit der Kapuzinerkresse holen Sie sich nicht nur Blütenpracht und Kulinarik, sondern auch ein starkes Stück Naturmedizin in Ihr Zuhause.