Einjähriger Beifuß: Der Hoffnungsträger gegen üble Erreger

Einjähriger Beifuß (Artemisia annua) (c) Kristian Peters, CC BY-SA 3.0 , Bild ist unverändert

Diesem Heilpflanzenprofil müssen wir eine energische Verwechslungs-Warnung voranstellen. Denn der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) hat mit dem wohlbekannten Beifuß (Artemisia vulgaris), den Sie vom Gänsebraten kennen, in Sachen Heilwirkung kaum etwas gemeinsam. Während unser heimischer „Normal-Beifuß“ sich hauptsächlich im Bereich Magen und weiblicher Unterleib kompetent zeigt, kann man seinen ursprünglich aus Asien stammenden Verwandten durchaus als potenzielle Geheimwaffe gegen weitaus gefährlichere Krankheiten betrachten.

Nicht umsonst nahm 2015 die chinesische Pharmakologin Tu Youyou den Medizin-Nobelpreis entgegen: Sie hat in den 1970er-Jahren erstmals den Hauptwirkstoff Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß isoliert und damit eine höchst potente, nebenwirkungsarme Behandlung gegen Malaria entwickelt. Der Wirkmechanismus gegen die von einzelligen Parasiten (sogenannten Plasmodien) hevorgerufenen Krankheit ist faszinierend: Sobald der Beifuß-Inhaltsstoff Artemisinin oder sein halbsynthetisches Derivat Artemether in das stark eisenhaltige Blut gelangt, zerfällt er in mehrere Freie Radikale. Diese wiederum greifen Malaria-Erreger in den Blutzellen an und töten sie ab. Weil nach mehreren Jahrzehnten Behandlung mit dem isolierten Wirkstoff erste Resistenzen auftraten, besinnt sich die Forschung nun zurück auf die Pflanze als Ganzes – mit vielversprechenden Ergebnissen.

Grüne Kapsel mit BlattVollextrakt und Pflanzenpulver zeigen außerdem in mehreren Studien ermutigende Resultate im Kampf gegen Parasiten sowie bakterielle und virale Infektionen wie Borreliose, Herpes zoster, Helicobacter pylori, HPV oder AIDS. Sogar bei diversen Krebsarten gibt es erste Ansätze für eine behandlungsunterstützende (!) Wirkung.
Überall dort, wo sich die Erkrankung auch äußerlich zeigt – etwa bei Gürtelrose, Warzen oder weißem Hautkrebs, kann der Einjährige Beifuß auch ergänzend als Salbe oder Tinktur angewendet werden. (Salbe: 10g Pulver aus Artemisia annua 1 Std. in 100ml Olivenöl leise köcheln, dann abseihen und mit 10g Bienenwachs versetzen.)

SchaufelDoch nun lassen Sie uns das Wunderkraut einmal botanisch unter die Lupe nehmen. Haben wir gekaufte Jungpflanzen im Garten angesiedelt oder sogar selbst aus Saatgut herangezogen, wächst Artemisia annua bis zu 150 cm hoch – am liebsten auf sandigen, eher trockenen Böden. (Lateiner wissen, dass annua auf Latein „jährlich“ bedeutet, und wundern sich deshalb nicht, wenn der Power-Beifuß ohne Nachsäen nach dem Winter nicht von allein wiederkommt.) Im August und September erscheinen dann oberhalb der zartfiedrigen, dunkelgrünen Blätter gelbgrüne Blütenrispen: Jetzt ist die beste Zeit zum Ernten, Trocknen und Verarbeiten!
Der Geruch der Pflanze ist übrigens betörend aromatisch, ihr Geschmack äußerst bitter. An die Einnahme per Tee oder Pulver muss sich der verwöhnte europäische Gaumen deshalb meist erst gewöhnen – doch das sollte uns die Gesundheit wert sein, meinen Sie nicht?

TIPP:

Wenn Sie die Möglichkeit haben, pflanzen Sie den Einjährigen Beifuß unbedingt neben weiteren Heilkräutern wie z.B. Thymian, Immortelle, Schafgarbe oder Gundermann in den Garten! So haben Sie die Möglichkeit, sich mit den Wundern der Natur in vielen Fällen selbst zu helfen. Wild wachsend werden Sie Artemisia annua in Europa kaum finden.