Schwarzkümmel: Der Allergieheiler vom Bosporus

Nigella sativa

Schwarzkümmel, Nigella sativa – von k yamada from Yokohama, Japan (Nigella sativa) CC BY-SA 2.0 oder CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Schwarzkümmel kennen wir alle vom türkischen Fladenbrot Pide. Die kleinen, tiefschwarzen Körnchen verleihen vielen orientalischen Speisen einen Teil ihres typischen Geschmacks. Trotz ihres aromatischen, „irgendwie kümmelig-sesamig-scharfen“ Dufts sind sie weder mit unserem einheimischen Kümmel noch mit dem Kreuzkümmel bzw. Cumin verwandt. Vielmehr gehört Schwarzkümmel zur Familie der Hahnenfußgewächse.

Doch die gedrungene, maximal 50 Zentimeter hoch wachsende Pflanze mit der prägnanten Samenkapsel kann viel mehr als nur würzen. Ihre enorme Heilkraft war bereits bei den alten Ägyptern bekannt, die die Samen und deren Öl gegen Haut- und Frauenleiden, allgemeine Schwäche, Kopf- und Zahnschmerzen sowie Erkältungen einsetzten. Die sagenhafte Schönheit der Pharaonengattin Nofretete führt man unter anderem darauf zurück, dass sie sich mit Schwarzkümmelöl salbte. Dem Sohn ihres Mannes Echnaton, dem Pharao Tutenchamun, legte man sogar ein Fläschchen des Öls mit in den Sarkophag, um ihn auch im Tod gegen gesundheitlichen Unbill zu wappnen.
In der Bibel taucht das Gewürz unter dem Namen Ketzah auf, bei Hippokrates als Melanospermon (griech. „Schwarzsame“). Der Prophet Mohammed verstieg sich sogar zu der Aussage „Schwarzkümmel heilt jede Krankheit außer den Tod“. Das möchten wir zwar anzweifeln, aber okay, er war halt begeistert. Auch Hippokrates und der berühmte Militärarzt Dioskurides lobten die vielfältigen Heilwirkungen des Schwarzkümmels. Unter den Namen Gith und Schwarzter Coriander taucht die Pflanze später bei Plinius dem Älteren ebenso auf wie in der Landverordnung „Capitulare de villis et curtis imperialibus“ von Karl dem Großen aus dem Jahr 794 n.Chr. Bis zum Jahr 1031 n.Chr., als der orientalische Arzt Avicenna/Ibn Sina das Gewürz in seinem Werk „Buch zur Genesung der Seele“ beschrieb, hatte es weltweit in den meisten Gärten und Apotheken Fuß gefasst. Unbekannt sind dagegen die Gründe, warum es mit der Entwicklung der modernen Pharmazie beinahe in Vergessenheit geriet.

Erst Ende der 1990er-Jahre gelangte Schwarzkümmel zurück ins Rampenlicht – durch einen veterinärmedizinischen Zufall. Als nämlich die wertvolle Araberstute „Baronesse“ schwer an Asthma erkrankte und ihr Besitzer vor den Nebenwirkungen des verordneten Kortisons zurückschreckte, schlug ein hinzugezogener ägyptischer Tierarzt Schwarzkümmelsamen als Futterzugabe vor. Die Kur schlug an, „Baronesse“ wurde gesund und das Interesse der Pharmakologie für Mensch und Tier war von Neuem erwacht.

Man entdeckte, dass die Samen große Mengen an ungesättigten Fettsäuren, Proteinen, Alkaloiden (z.B. Nigellicin), Saponinen und ätherischen Ölen enthalten. Von großer Bedeutung ist vor allem ein Bestandteil des ätherischen Öls, das Thymoquinon. Aus diesen Inhaltsstoffen ergeben sich starke immunmodulierende, entzündungshemmende, antimikrobielle, antihistamine, antidiabetische, antiparasitäre und allgemein organschützende Eigenschaften. Sogar eine krebsfeindliche Wirkung wird diskutiert.

In Deutschland werden Schwarzkümmelpräparate vor allem als Nahrungsergänzung bei Allergien aller Art vertrieben. Bei Allergikern liegt nämlich ein Enzymdefekt vor, der die Bildung bestimmter sogenannter Prostaglandine hemmt. Aus diesem Grund müssen Allergiker die fehlenden Stoffe, um genau zu sein Gamma-Linolensäure und Arachidonsäure, vermehrt mit der Nahrung aufnehmen. Diese sind in kaltgepresstem Schwarzkümmelöl in idealer Zusammensetzung vorhanden. So kann eine Senkung der allgemeinen Allergiebereitschaft erreicht werden, von der z.B. Neurodermitis- und Psoriasis-Patienten sowie von Heuschnupfen- oder Tierhaarallergie Geplagte bei regelmäßiger Einnahme sehr profitieren können.
Äußert sich die Allergie in Form von Juckreiz oder Ekzemen auf der Haut, sollte man reines Schwarzkümmelöl zusätzlich äußerlich anwenden. Die Haut kann sich erholen, wird wieder geschmeidig und reißt nicht mehr so schnell ein. Bei Akne ist dieses Vorgehen ebenfalls einen Versuch wert.

Zwei weitere bewährte Indikationen für die Anwendung von Schwarzkümmel-Präparaten in Öl- oder Kapselform sind Bluthochdruck (Hypertonie) und Diabetes. Auch diese blutdruck- bzw. blutzuckersenkende Wirkung lässt sich auf die Anregung der Prostaglandin-E1-Produktion in Kombination mit weiteren Effekten zurückführen. Gleichzeitig lassen sich damit zu hohe Cholesterinwerte günstig beeinflussen.

WICHTIG: Sprechen Sie als Diabetiker*in oder Hypertonie-Patient*in unbedingt mit Ihrem Arzt, bevor Sie eine Nahrungsergänzung mit Schwarzkümmelöl beginnen, und lassen Sie Ihre Werte engmaschig kontrollieren!

Grüne Kapsel mit BlattBei chronischen oder akuten Atemwegsproblemen wie Bronchitis, Asthma, Keuchhusten oder Erkältungshusten wird 1 Esslöffel Schwarzkümmelöl auf einen Liter heißes Wasser gegeben und inhaliert. Der Wasserdampf lässt die ätherischen Öle aufsteigen, welche dann in Lunge und Bronchien ihre reizlindernde und antientzündliche Wirkung entfalten können.

In der Tiermedizin ist Schwarzkümmelöl nicht nur eine immunstärkende Futterzugabe und Garant für toll glänzendes Fell, sondern, äußerlich aufgetragen, auch ein guter Schutz vor Zecken. Dass Ihr vierbeiniger Liebling im Sommer nach türkischem Fladenbrot duftet, müssen Sie dann eben in Kauf nehmen. :-)