Knoblauch: Für die Arterien hui, für Vampire pfui

Knoblauch.

Knoblauch. Foto: pixabay.com

Natürlich wissen wir alle, dass es Vampire nicht wirklich gibt. Umso faszinierender, dass nicht erst seit „Dracula“ trotzdem jeder sofort an Knoblauchzöpfe denkt, wenn es um Vampir-Abwehrmaßnahmen geht. Vielleicht hat der Urheber dieser Legende ja alles symbolisch gemeint? Erfand er den blutsaugenden Vampir als Symbol für böse Arteriosklerose – diese fiesen Ablagerungen in den Blut(!)gefäßen, Nummer 1 unter den Todesursachen in der westlichen Welt? Fakt ist: Gegen Arteriosklerose, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte gibt es kaum eine Heilpflanze, die wirksamer wäre als Knoblauch.

chef-hat-309146_640In Ländern, die viel mit Knoblauch kochen, ist die Herzinfarktrate signifikant geringer als überall sonst. Neben weiteren herzgesunden Zutaten wie Olivenöl, Tomaten und Rotwein ist Knoblauch in der sogenannten Mittelmeerküche absolut unverzichtbar – ob in Aioli, Spaghetti aglio olio oder Tsatsiki. Ob es ihre Leibspeise Aioli (Knoblauchmayonnaise) war, die die älteste Frau der Welt, Jeanne Louise Calmet, 122 Jahre alt werden ließ? Es könnte jedenfalls sein. Bevor wir hier ins Detail gehen, aber erstmal ein bisschen Geschichte.

Dass der Knoblauch 1989 „Arzneipflanze des Jahres“ werden würde, konnten die ägyptischen Sklaven vor 5.000 Jahren nicht ahnen. Wohl aber wussten sie aus Erfahrung, dass sie bei reichlichem Verzehr der Zwiebelpflanze von Infektionskrankheiten und Darmparasiten verschont blieben … und obendrein leistungsfähiger wurden. So weit ging ihre Liebe zur tollen Knolle, dass die Sklaven die Arbeit niederlegten, wenn man ihnen aus Spargründen die Knoblauchration kürzte! Im Chinesischen weist das nur aus einem einzigen Schriftzeichen bestehende Wort für Knoblauch darauf hin, dass er schon lange einen festen, häufig verwendeten Platz im Alltag der Menschen hat. Aus dem asiatischen Raum trat der Knoblauch seinen Siegeszug in die Küchen und Apotheken der restlichen Welt an. Römer und Griechen nutzten ihn analog den Ägyptern; römische Soldaten beugten auf langen Fußmärschen mit dem Saft frischer Knoblauch-Zehen (!) Fußpilz vor. Im Mittelalter behandelte man mit Knoblauch dann Lungenleiden, Zahnschmerzen, Ekzeme, Hautinfektionen, Bisswunden und schützte sich sogar erfolgreich vor Ansteckung mit der Pest. Im Ersten Weltkrieg mit seinen unzähligen Verletzten griffen Ärzte und Sanitäter, nachdem Louis Pasteur 1858 die keimtötenden Fähigkeiten der Knolle bewiesen hatte, in den Lazaretten auf Knoblauch als veritables Antibiotikum zurück.

Grüne Kapsel mit BlattHeute wissen wir um die intensiv antibakterielle, antivirale und pilztötende Wirkung des Knoblauchs und müssen uns über all die erstaunlichen Heilerfolge von damals deshalb nicht wundern. Die aphrodisierenden Eigenschaften, die man ihm weltweit nachsagte, sind nach heutigem Wissensstand ebenfalls leicht zu erklären: Der Inhaltsstoff Allicin, Hauptverursacher der berüchtigten „Knoblauchfahne“, tötet nicht nur ähnlich effektiv wie Penicillin Krankheitserreger, sondern erweitert nebenbei die Gefäße. Der Blutdurchfluss steigt also – und mit ihm auch der … aber jetzt genug davon. 😉

AchtungFür die antithrombotische (verklumpungshemmende), letztlich also blutverdünnende und blutdrucksenkende Wirkung des Knoblauchs ist übrigens ein Zerlegungsprodukt des Allicins verantwortlich: Ajoen. Weitere Inhaltsstoffe sind neben anderen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen relevante Mengen an antitoxischem Selen, essenziellen Aminosäuren sowie Praebiotika, die die Besiedelung des Darms mit nützlichen Bakterien begünstigen. Nur Menschen mit extrem niedrigem Blutdruck sowie Schwangere sollten die Verzehrmengen in Maßen halten, damit ihnen der Blutdruck nicht „wegsackt“.

Fazit: Knoblauch, im Rahmen einer gesunden Mischkost regelmäßig genossen, hält die Blutgefäße – auch im Gehirn! – geschmeidig und die Blutfettwerte auf gesundem Niveau, spendet reichlich Vitamine und Mineralien, schützt den Darm und stellt so insgesamt einen wertvollen Beitrag zum „happy Aging“ dar. Sogar eine krebshemmende Wirkung der aromatischen Gewürzpflanze scheint sich zu bewahrheiten; hier befindet sich die Wissenschaft aktuell in spannenden Forschungen. Wer nicht täglich mit offensiv vampirfeindlichem Odeur durchs Leben gehen will, behilft sich zusätzlich mit „hauchlosen“ Knoblauchextrakt-Präparaten aus der Apotheke. Ansonsten hilft nach Knoblauchgenuss, zumindest in gewissem Maße, das berüchtigte Glas Milch, das Kauen einiger Kardamomsamen oder eines Büschels frischer Petersilie oder freiverkäufliche Chlorophyll-Tabletten. Die schwefligen Ausdünstungen über die Haut werden Sie damit aber nicht verhindern.

Versuchen Sie außerdem ruhig einmal, Warzen mit Knoblauch loszuwerden: Einfach täglich ein frisches Knoblauchzehen-Scheibchen mittels Pflaster auf der Warze befestigen und etwas Geduld haben! Infekte der oberen Atemwege sprechen ebenfalls gut auf antientzündliche Zubereitungen wie Knoblauch in Honig oder Gurgeln mit Knoblauchsaft an.

SchaufelUnd dann noch ein Ausflug in den Garten: Pflanzen Sie für stets frische Vorräte sowie gegen Wühlmaus- und Blattlausbefall Knoblauch in Kübeln und Beeten an! Rosen, Erd- oder Himbeeren, Möhren, Mohrrüben und Tomaten genießen seine Gesellschaft sehr. Erbsen und Gartenbohnen hingegen mögen ihn weniger.